Sonntag, 27. april 2008
The Raconteurs - Consolers of the Lonley

Die meisten Musiker auf diesem Planeten nutzen ein Sideprojekt in der Regel, um den Teil ihres musikalischen Schaffens zu präsentieren, der irgendwie nicht so recht in das Konzept dessen passen will, was wir als deren Hauptidentität wahrnehmen, ob in Band-, Duo- oder Soloform. Bei Jack White ist das so überhaupt nicht der Fall, aber wer die "White Stripes" kennt, der wird wenig überrascht sein, von der Tatsache, dass Jack White Mitglied und Quasi-Frontmann einer Formation ist, für die er Songs komponiert, die  so eindeutig von ihm sind, dass man sich fragt, wieso Herr White in einer zweiten Band mitmischt. Auch wenn alle "White Stripes" Die-Hard Fans mich jetzt aus ihrer Mitte verbannen möchten, ein großer Teil der Songs des neuen "Raconteurs" Albums hätte ohne Weiteres Platz auf einem weiteren Stripes Album gehabt. 
Der bluerockige Opener und Titelsong, "Salute your salution", "The Switch and the Spur", "Top Yourself" (unbedingt, mehr Stripes geht kaum noch) klingen ohne jeden Zweifel nach Mr. und Mrs. White, auch wenn Letztere hier gar nicht anwesend ist. Vielleicht, um die Ähnlichkeit ein wenig abzuschwächen, sind die Raconteurs Songs mitunter etwas straighter, gradliniger oder zugänglicher.  Das macht die Songs natürlich nicht schlecht - ganz im Gegenteil. Sie klingen frisch, nicht so experimentell. Angesiedelt in der Nähe der bluesigen "White Blood Cells" Momente und der rockigsten "Get behind me" Sachen. Näher an "Icky Thumb" als an "Elephant". Eon "Seven Nation Army sucht man einmal mehr vergebens, in diesem Fall ist es allerdings auch ausgeschlossen, weil man mehr Blues und Country mit einfliessen lässt. Ausserdem gibt es natürlich auch Stücke ("Old enough"  z.B.) die weniger nach den "White Stripes" klingen. Absoluter Favorit ist "Many Shades of Black", ein typisch untypisches Jack White Werk mit einem hohen Wiedererkennungswert. 

"Consolers of the Lonley" ist ein geniales Blues (Hard) Rock Album geworden, eingängig, rockig, bluesig mit einer kleinen, verträglichen Prise Country. Garagen Rock, der so gar nicht nach Garage klingt, Indie für Leute, denen Indie zu gewöhnlich geworden ist und die jetzt erwachsen sind oder jung und cool genug für Musik ausserhalb der HipHop/Emo/Club/NewMetal Müllkippe.

Der perfekte Soundtrack für den, vor uns liegenden (hoffentlich heißen) Sommer. Besser haben es in diesen Monaten eigentlich nur noch die "Black Crowes" gemacht (obwohl die eher den Soundtrack des danach folgenden Herbstes produzierten).link

 
von Joachim Naumann veröffentlicht in: Neuheiten
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