Mittwoch, 16. april 2008
Herzlich Willkommen. 
Als Musikliebhaber sammele ich Musik. Ich weiß nicht recht, wie viel tausende von DM und Euro ich in meine, recht umfangreiche CD Sammlung investiert habe, aber ich bin schon recht stolz darauf. Einen Teil dieser gesammelten Musik, werde ich in diesem Blog nun den Lesern desselbigen empfehlen. 
Natürlich ärgert man sich in meinem Alter maßlos über die Vinylplatten, von denen man sich Ende der Achtziger trennte, um Musik zeitgemäß digital genießen zu können und um so stolzer bin ich auf meine Vinylsammlung, die sich zwar nur auf meine absoluten Lieblingskünstler bezieht, in der aber dafür eine Menge seltener Platten, limitierte Auflagen und viele, viele Raritäten ihren Platz gefunden haben. Allem voran sammele ich "Iron Maiden" Vinyl. Gerade bin ich dabei, die vielen Platten zu katalogisieren um die Liste hier zu veröffentlichen, in der Hoffnung auf Gleichgesinnte, Tauschpartner und Ex Sammler zu treffen.
Dabei mache ich mir gerade viele Gedanken über die Entwicklung und Veränderungen der Musikindustrie. 
Vinyl ist heute teurer als je zuvor und scheinbar den Sammlern und Freaks vorbehalten. Dennoch hat die Jagt auf die schwarzen (oder bunten) Scheiben seit "Ebay" ihren Reiz verloren. Mir blutet das Herz, wenn ich sehe, dass über die Auktionsplattform, seit Jahren, täglich mehrere der ursprünglich auf sechshundert Stück limitierten "Soundhouse Tapes" von "Iron Maiden" für weit mehr als hundert Euro versteigert werden, denn man muss kein mathematisches Genie oder gar Statistiker sein, um zu registrieren, dass die Gesamtzahl der in den vergangenen Jahren dort versteigerten "Soundhouse Tapes" Single die sechshunderter Grenze bei Weitem überschritten wurde. Auf der anderen Seite, verlieren viele andere Vinylplatten deutlich an Wert, ganz abgesehen von der Tatsache, das täglich mehrere hundert Exemplare irgendeiner uralten Scheibe in einem so guten Zustand versteigert werden, dass man glauben könnte, die halbe Weltbevölkerung hat sich vor zwanzig Jahren "Appetite for Destruction" (Guns N'Roses) in dem damals umstrittenen Cover der ersten Auflage nur gekauft, um sie verschweißt auf dem Dachboden zu lagern (natürlich nur unter atmosphärisch günstigsten Bedingungen) und das Teil nun quasi "wie neu" unters Volk zu bringen.
Dem Gegenüber stehen nun neue Vertriebswege für Musik, die selbst von "Iron Maiden" nun genutzt werden, um die jungen Hörer glücklich zu machen. Die Rede ist von Downloads. 
Als ich damals meine erste DSL Leitung installieren lies, stand auch mein Rechner zugegebener Maßen nicht still, sondern war ständig mit dem laden diverser Musikstücke beschäftigt. Songs, die ich schon immer suchte, aber nirgendwo fand, landeten endlich auf der Festplatte meines Rechners. Und auch die aktuelle "iTunes" Version kommt gut bei mir an, schließlich bin ich auch ein Technik- und Computerfreak, besitze ein iPhone und einen iPod Classic und entledige mich gerade von hunderten Maxi- und Single CDs (insbesondere von jenen, die mit überflüssigen Füllsongs oder dreizehn Remixen des Titelsongs befüllt sind). Da ist es einfacher und günstiger, sich einen Titel für 99 Cent auf den iPod zu laden. Man kann jeden Song zu jeder Zeit kaufen, sich die Musik vorher (bruchstückhaft) anhören und wenn mir gerade einmal ein Lied gefällt, das sich ausserhalb meines üblichen, musikalischen Blickfeldes (oder besser: Hörfeldes) bewegen sollte, dann muss ich mir weder die Maxi CD (die mit den dreizehn Remixen) noch das komplette Album kaufen. Das ist sicher sehr, sehr vorteilhaft.
Dennoch besitze ich in der Regel lieber einen physischen Tonträger. 
Bei "iTunes" (und auch bei deren Konkurrenten) bekomme ich kein Cover, allenfalls ein digitales Booklet, ich kann die Musik zwar als Silberling brennen, muss aber stundenlang layouten und basteln, um ein Produkt zu bekommen, das meinen Ansprüchen als Musiksammler ein Stück entgegen kommt.
Auch wenn Trent Reznor die neuen Vertriebswege, die einem Künstler zur Verfügung stehen, mit seinem Werk "Ghosts I-IV" vorbildlich nutze und "Radiohead" der Industrie mal so richtig zeigten, wo der Hammer hängt. Auch wenn "Iron Maiden" da behaupten, man müsse die Technologien nutzen (dem ich ja zweifellos zustimme) und ihr nächstes Album dann also auf ihrer Homepage günstig downloadbar machen werden, ich hoffe und vertraue darauf, das neben diesen neuen Vertriebswegen, von denen plötzlich alle reden, auch die alten Medien nicht vergessen oder vernichtet werden.
Da Experten schon heute davor warnen, sich einen Blue Ray xy Player zuzulegen, weil Filme demnächst nur noch online zur Verfügung stehen werden, habe ich wirklich Angst, irgendwann auf CDs oder MusikDVDs oder gar Vinylplatten verzichten zu müssen. 
Es mag ein wenig altmodisch klingen, aber die Verpackung der Musik und der Tonträger auf dem sich selbige befinden, waren und sind für mich zweifelsfrei ein Teil des Ganzen, auf das ich ungern verzichten möchte...
 
von Joachim Naumann veröffentlicht in: Allgemeines
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