Januar und Februar sind die beiden Monate im Jahr, die ich so gar nicht mag. Der Lichterglanz der Weihnachtszeit ist dahin, es ist grau und kalt, in
einer Stadt wie Düsseldorf schneit es auch nach Weihnachten nie und wenn man bei seinem Lieblingsplattenladen oder den großen Technik Märkten Ausschau nach neuen Platten oder CDs hält, sieht man
nichts im Fach "Neuerscheinungen", was nicht im November dort schon stand. Das einige Händler die Weihnachtsmusik wieder ins Lager gebracht haben, ist die einzige Veränderung, die einem
auffällt.
Erst ab März/April weiß der Musik Fan dann nicht mehr, welche CDs er zuerst kaufen soll, weil wöchentlich etliche neue Alben auf den Markt kommen. Und
wenn ich mir einmal ansehe, was in den nächsten Monaten noch so auf dem Programm steht, wäre ein Nebenjob zur Musikfinanzierung die wohl beste Möglichkeit.
Portishead's "Third" gehört zu den Überraschungsmomenten, des aktuellen Frühlingsangebots. Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich "Dummy" im CD
Player hatte und mich fragte, ob es je wieder eine Band geben wird, die emotionale Trauer in solche Musik verpacken kann.
Nun gibt es gleich elf neue Songs des Trios und was soll ich sagen ? Auch hier hat sich einmal mehr nicht viel verändert. Die Musik erinnert mich immer
an einen britischen Kunstfilm in schwarz-weiß Optik, in dem es um Tod und Liebe geht. Die perfekte Untermalung für die Tage, an denen man sich einfach schlecht fühlt oder Lust hat, sich im
Schmerz der Vergangenheit zu aalen. Musikalisch minimalistisch wie eh und je, wird die mal kraftvolle, mal eher zerbrechliche Stimme Beth Gibbsons jazzig oder mit Trip Hop untermalt. Auch das
Schielen in Richtung Industrial ist nicht so wirklich neu. Dennoch klingt jedes Album anders, "Third" klingt anders als die beiden Vorgänger, besser, trauriger, neuer eben.
Solange uns der Frühling nur Regen und Gewitter zu bieten hat, ist dies der perfekte Soundtrack, für die grauen Tage im Mai. Aber auch, wenn es in
diesem Jahr einen Sommer geben sollte, der seinen Namen verdient, für Portishead ist immer Platz, irgendwo zwischen Sonne und guter Laune verbergen sich immer auch die Trauer und die Depression,
die nur darauf warten, das man dieses Album in den Player legt oder auf dem iPod anwählt, um in voller Lautstärke jene Gefühle musikalisch zu untermalen, die einen Menschen so menschlich
machen. link
von Joachim Naumann
veröffentlicht in:
Musique
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