Donnerstag, 1. mai 2008
Der Regen kam gar nicht so überraschend. Zumindest in Düsseldorf musste die Sonne immer wieder versuchen, sich gegen große, schwarze Wolken durch zu setzen. Das Gewitter hingegen kam schon überraschender. 
Und ich sitze hier auf dem Sofa, spüre jeden einzelnen meiner Knochen und genieße Musik aus allen Genres, höre mich durch alle Neuigkeiten des letzten Monats, denn mein plötzlicher Sport- und Lernfimmel nimmt mittlerweile einen solchen Teil meiner Freizeit für sich in Anspruch, dass ich mir vor einigen Tagen erst einmal einen neuen "iPod Classic" zulegte; der Alte war schon seit Wochen defekt und die 8GB meines iPhones reichen gerade einmal für einen kleinen Teil, der neuen CDs des letzten Monats.
So genieße ich nun, diesen nicht sehr frühlingshaften ersten Mai also (endlich) einmal mit "Nichtstun" oder dem Ordnen meiner Festplatte und allen CDs.
Im Artikel über "Portishead" habe ich es schon angedeutet: Der Anfang eines neuen Jahres bedeutet mittlerweile erst einmal musikalisches Ödland. Bis Ende Februar standen "Tarja's" Winterstorm und "Cave's" Dig, Lazarus Dig  in den Regalen, "Joy Division" Best of CDs und Wiederveröffentlichungen wohin man sah - ach ja und "Amy" in Deluxe- oder sonstigen Versionen, selbst der Japan Import von "Back to Black" zierte das "Neuheiten" Regal eines großen Technik Marktes.
Und dann, im März: eine Reihe von mehr oder weniger hörenswerten Pop Produktionen, noch mehr "Joy Division", noch mal "Back to Black" und im April, einen Monat vor dem Startschuss der Festival Saison wissen die Geschäftsinhaber plötzlich nicht mehr, wohin mit den ganzen neuen CDs. Selbst im, auf Alternative und Gothic spezialisierten Laden gibt es für einige gute Neuveröffentlichungen nicht genügend Platz, sie verschwinden in der Masse der alphabetisch geordneten CDs oder Vinyls, "Saturn" braucht mindestens drei Reihen allein für "Madonna", wer hier nach exotischerem Sucht als allenfalls "Whitesnake" kann direkt einen Bogen um die Neuheiten machen (und jetzt haben auch "Joy Division" keinen Platz mehr hier).
Schnell ist der weithörige Musikfan eine Menge Geld los, rechnet an der Kasse schweißgebadet, ob die Kohle denn nächsten Monat noch für die neue "Metallica" reichen wird (keine Angst Leute, die wird sicher eh erst mal um ein paar Wochen verschoben werden - und wenn die genauso klingt wie die letzten Metallica Outputs, sollte man sich das Geld besser sparen).
Wirklich neu ist diese Szenerie nicht, denn sie wiederholt sich Jahr für Jahr. Und ärgert einen Jahr für Jahr. Schon jetzt wissen wir, dass in der Zeit von Mai bis Juni noch etliche neue, großartige Alben und fragwürdige "Sommerhits" mit großem Klingelton Potential veröffentlicht werden, ehe das große Juli/August Sommerloch dann wieder einmal Flaute herrscht. Im September geht es dann weiter, bis im November wieder etliche Best of Produktionen den Vorweihnachtsmarkt bestimmen. In diesem Jahr gibt es sicher eine Best of CD von "Whitesnake", eine Winteredition von "Amy Winehouse", eine Live CD von "Metallica", singende "Weihnachtsmänner" aus der Jamba Werbung und dann ist das Jahr vorüber und im nächsten Jahr beginnt dann alles von vorne. So neu ist also zumindest die Art nicht, mit der jährlich Tonträger veröffentlicht werden. 
Und alles scheint so vorhersehbar. Nach "Portishead" in diesem Jahr dürfen wir sicher mit einem Riesen Comeback von "Massive Attack" im nächsten Jahr rechnen. 
Die einzige Überraschung wird sicherlich das seit Jahren verschobene "Guns n'Roses" Output werden, zumindest lässt sich aber vorhersagen, dass wenn nicht in diesem Mai, es frühestens im nächsten April soweit sein wird, und das auch nur, wenn GNR auf allen Festivals der Welt angekündigt sein werden.
Ich indes, höre noch ein wenig "Adam Green" (Überbleibsel des April) und lege meine schmerzenden Beine hoch, höre auf mich über die Musikindustrie zu ärgern, solange zumindest die Qualität der Produktionen noch gut ist - und was das anbelangt, gibt es ja nicht sooooo viel zu meckern - oder ? 
von Joachim Naumann veröffentlicht in: Allgemeines
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