Samstag, 2. august 2008
Gestern Abend habe ich, dem Fernsehsender NTV sei Dank, gelernt, dass die Musikindustrie wieder einmal, oder immer noch, vor dem Aus steht und an CD Produktionen kaum noch verdient. Die kürzlich noch eingedämmten, illegalen Downloads haben wieder zugenommen. Aha.
Vinyl ist wieder stark im Kommen, einige Firmen überlegen sogar, die Produktion umzustellen - naja, eher illusorisch, sage ich mal.
Bis vor einiger Zeit sammelte ich ja nur Vinyl von meinen absoluten Top Künstlern, mittlerweile bin aber auch ich dazu übergegangen, wieder verstärkt auf die kleine (und große) Schwarze zu setzen.
Wenn man viel Zeit hat, kann man sein Vinyl ja mittlerweile selber digitalisieren, einige Firmen legen aber auch schon Coupons bei, auf denen ein Code gedruckt ist, der zum digitalen Download berechtigt, wenn man sich die Platte kauft. Und wenn gar nichts mehr geht, darf man als Besitzer der Songs wohl auch ein P2P Netzwerk nutzen, um sich die Songs, die man auf Vinyl besitzt, auf den Mac zu holen - oder ?
Grauzonen und Gesetzeslücken vereinfachen die Situation nicht gerade.
Was aber sehr ärgerlich ist, sind die unverschämten Preise, die man als Fan, gleich welchen Alters, für Musik zahlen soll.
Statt die Initiative zu ergreifen und die Preise für CDs zu senken, macht man die Silberlinge kurz vor ihrem offiziellen Ende lieber noch etwas teurer.
"Nice Price" Angebote werden immer seltener und wer nicht gerade ein "Saturn" um die Ecke hat, wo man ab und zu günstig an etwas ältere CDs rankommt, dem bleibt, vor allem als Taschengeldbezieher, oftmals nur zu überlegen, in welcher Tauschbörse man am schnellsten runter laden kann.
Der Durchschnittspreis einer CD liegt mittlerweile bei ca. 15 Euro, ich kann mich dumpf erinnern, dass die CDs kurz nach ihrer Einführung mal 30 DM kosteten.
Hinzu kommt die Tatsache, dass nicht jedes Album von jedem Künstler durchgehend gut ist. Oftmals befinden sich etliche "Filler" auf den CDs - musikalischer Mist, der die Spielzeit in die Länge ziehen soll.
Und wer glaubt, "iTunes" sei die Alternative, weil man die Songs dort einzeln herunter laden kann, der hat sich ganz doll getäuscht. Zwar ist Musik hier günstiger - dafür fehlen aber auch Cover/Booklet und die kleinen Extras für PC/Mac oder DVD Player (die aber meistens Mist sind und als Rechtfertigung für absolut überzogene Preise dienen).
Mittlerweile haben aber auch die "iTunes" Macher nette Tricks entwickelt, die Alben möglichst als Ganzes zu verkaufen: die meist besten oder längsten Songs des Albums, bekommt man häufig nur, wenn man das ganze Werk, als komplettes Album kauft.
Was mich besonders ärgert, ist die Tatsache, dass das Problem weder neu noch unvorhersehbar war oder ist. Die Musikindustrie hatte viele Jahre Zeit, dem Trend des illegalen Tauschens von Musik etwas entgegen zu setzen. Statt guter Ideen kamen aber nur Klagen und Preiserhöhungen, die mit dem illegalen "Trading" begründet wurden und Gesetze nach sich zogen, bei denen kein Mensch mehr durchblickt.
Im Grunde genommen, dürfte man Musik, Fime und Spiele nur herunter laden, wenn man dafür bezahlt.
Den Firmen, der Industrie und den Gesetzeshütern gegenüber steht eine "Community", die aber immer neue, schlauere Ideen entwickelt.
Zur Zeit kann man ohne weiteres die Streams der zahlreichen Internet Radio Stationen mitschneiden. Die Programme dafür sind zahlreich, vielfältig, einfach zu bedienen und der Echtzeit Mitschnitt hat etwas seltsam nostalgisches.
Das löst jedoch das Problem der übertriebenen CD Preise so was von überhaupt nicht.
Ich als Musikfan nenne weit über 1200 CDs (Alben) und ca. 500 Vinylplatten (bisher weitgehend von meinen absoluten Faves) mein Eigen und bin nicht nur nicht länger bereit, sondern kann es mir in Zeiten der Inflation nun mal nicht mehr leisten, für jede Schrott CD 15 Euro auf die Ladentheke zu legen.
Wenn ich mich durch die Errungenschaften der letzten Monate höre, laufen mir zum Teil echt die Tränen übers Gesicht.
"In Extremo" veröffentlichen eine CD, auf der die Hälfte der Songs Schrott sind, "Blackmore's Night" folgen mit einem Album, das ebenso gut hätte als Mini CD durchgehen können, zu "Möetley Crüe's" neustem Werk schweige ich lieber und "Alice Cooper" habe ich erst gar nicht gekauft - das sind so genannte "Stars".
"Leather Strip" hingegen, veröffentlichen auf dem kleinen "Alfa Matrix" Label eine Doppel CD, vollgepackt mit gutem Stoff, zum Preis einer CD und legen als Bonus noch acht Songs auf einer dritten CD dazu, die man sich ebenfalls komplett anhören und gut finden kann, ohne dabei von langer Weile aufgefressen zu werden.
Was stimmt da nicht ?
Der Knüller ist die Wiederveröffentlichung von "Amy Winehouses" "Frank", als schicker Doppel CD - die zweite, "neue" CD enthüllt (überflüssige und bekannte) Remixe und B Seiten der Singles. Das kostet uns zwischen fünf und fünfzehn (!) Euro, je nachdem, ob man das Glück hat, eine "Saturn" NIce Price CD für fünf Euro zu bekommen oder bei der Konkurrenz für bis zu fünfzehn Euro für das Debüt der Winehouse hinblättern muss - äh, Hallo, und dann beklagt sich die Plattenfirma ernsthaft darüber, dass sie zu wenige der DoppelCDs verkaufen - wer gibt bitte freiwillig so viel Geld für so viel (oder wenig) unnötigem Mist aus ? Schon Mal überlegt, dass ein großer Teil der Winehouse Fans kein eigenes Geld verdient und die lieben Eltern diese Jahr den Urlaub streichen mussten, um die Milch zahlen zu können, ohne einen Kredit dafür aufnehmen zu müssen.
Wer sich da noch wundert, dass Jugendliche die CD illegal aus dem Netz laden, der sollte sich zur Strafe diesen Text noch einmal durchlesen, um den Sinn zu verstehen.
Im Nachhinein wünschte ich mir, ich hätte "Sängerkrieg" herunter geladen - umsonst, denn im Vergleich zu "Nine Inch Nails" "The Slip", das offiziell für lau zu laden war, ist das Teil von "In Extremo" keinen Cent wert. Und wenn man beim P2P Download nicht automatisch Datenmüll mit laden würde, den ich auf meinem Mac nicht haben will, würde ich so manches Mal dort Mitmischen, und sei es nur, um sich ein Album vorher in Ruhe anzuhören.
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