Dark Music

Friday, 25. july 2008 5 25 /07 /Juli /2008 02:11
Opeth - Watershed

Naja, nicht mehr ganz neu, aber irgendwie liegengeblieben bis gestern (im CD Stapel neuer Errungenschaften) ist das letzte "Opeth" Album.

Es gab Zeiten, in den war "Death Metal" Musik für Menschen, die Musik hassten. Bis auf einige (sehr) wenige Ausnahmen, schien die "Death Metal" Szene aus einer Reihe von Bands zu bestehen, deren musikalisches Verständnis jenseits von Gut und Böse lag. Selbst als "Noize Fan" war der stümperhafte Lärm einiger "Death Metal" Acts für mich zu langweilig, zu amateurhaft, zu was-weis-ich. Schlecht jedenfalls. Heute hingegen ist "Death Metal" irgendwie erzwungene Kunst; scheinbar alle Akteure dieses Metiers meinen, orchestrale, ambiente oder sonstige Sounds in die Musik einfließen lassen zu müssen und ihre Alben zu "Metal Opern" gestallten zu müssen - und seien wir mal ehrlich - erstens geht der Charme den "Possessed's 7 Churches" vor Jahrzehnten noch hatte, dabei gänzlich verloren, zweitens ist es oftmals zu viel des Guten (sprichwörtlich), denn die verschiedenen Stile sind oft schlecht miteinander kombiniert und der Bombast erdrückt den Hörer.

Auch "Opeth" sind bekannt dafür, "Death Metal" mit vieeeeel Bombast, viel Klassik und viel Progrock zu mischen - nur, die machen das phantastisch. "Watershed" ist ein düsteres, heavyes, aber auch bombastisches, nahezu episches Werk. Der Drahtseilakt zwischen Rock und Metal ist zweifellos gelungen.

"Opeth" sind (wieder einmal) die Ausnahmeerscheinung unter den Krachmachern, die ein Gespür für Melodie, Melancholie und "Death Metal" haben, wie kaum eine andere "Death Metal" Kapelle, auf diesem Planeten. Man mag das Album fast gar nicht als "Death Metal" kategorisieren, aber am Ende der CD gehören sie da (noch) hin. "Watershed" ist ein gelungenes Experiment, ein gutes Album, "Death Metal" für alle, die kein "Death Metal" mögen.  
von Joachim Naumann - veröffentlicht in: Dark Music - Community: Musik
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Thursday, 1. may 2008 4 01 /05 /Mai /2008 17:11

Portishead - Third
 
Januar und Februar sind die beiden Monate im Jahr, die ich so gar nicht mag. Der Lichterglanz der Weihnachtszeit ist dahin, es ist grau und kalt, in einer Stadt wie Düsseldorf schneit es auch nach Weihnachten nie und wenn man bei seinem Lieblingsplattenladen oder den großen Technik Märkten Ausschau nach neuen Platten oder CDs hält, sieht man nichts im Fach "Neuerscheinungen", was nicht im November dort schon stand. Das einige Händler die Weihnachtsmusik wieder ins Lager gebracht haben, ist die einzige Veränderung, die einem auffällt.
Erst ab März/April weiß der Musik Fan dann nicht mehr, welche CDs er zuerst kaufen soll, weil wöchentlich etliche neue Alben auf den Markt kommen. Und wenn ich mir einmal ansehe, was in den nächsten Monaten noch so auf dem Programm steht, wäre ein Nebenjob zur Musikfinanzierung die wohl beste Möglichkeit.
Portishead's "Third" gehört zu den Überraschungsmomenten, des aktuellen Frühlingsangebots. Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich "Dummy" im CD Player hatte und mich fragte, ob es je wieder eine Band geben wird, die emotionale Trauer in solche Musik verpacken kann.
Nun gibt es gleich elf neue Songs des Trios und was soll ich sagen ? Auch hier hat sich einmal mehr nicht viel verändert. Die Musik erinnert mich immer an einen britischen Kunstfilm in schwarz-weiß Optik, in dem es um Tod und Liebe geht. Die perfekte Untermalung für die Tage, an denen man sich einfach schlecht fühlt oder Lust hat, sich im Schmerz der Vergangenheit zu aalen. Musikalisch minimalistisch wie eh und je, wird die mal kraftvolle, mal eher zerbrechliche Stimme Beth Gibbsons jazzig oder mit Trip Hop untermalt. Auch das Schielen in Richtung Industrial ist nicht so wirklich neu. Dennoch klingt jedes Album anders, "Third" klingt anders als die beiden Vorgänger, besser, trauriger, neuer eben. 
Solange uns der Frühling nur Regen und Gewitter zu bieten hat, ist dies der perfekte Soundtrack, für die grauen Tage im Mai. Aber auch, wenn es in diesem Jahr einen Sommer geben sollte, der seinen Namen verdient, für Portishead ist immer Platz, irgendwo zwischen Sonne und guter Laune verbergen sich immer auch die Trauer und die Depression, die nur darauf warten, das man dieses Album in den Player legt oder auf dem iPod anwählt, um in voller Lautstärke jene Gefühle musikalisch zu untermalen, die einen Menschen so menschlich machen. link
von Joachim Naumann - veröffentlicht in: Dark Music
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Saturday, 26. april 2008 6 26 /04 /Apr. /2008 01:32
Rome - Masse Mensch Material
 
Fernab von musikalischen Trends und jenseits der üblichen Gothic Klischees, präsentieren Rome, die nun zu zweit musizieren ihr nunmehr drittes akustisches Werk "Mensch Masse Material". Obwohl es erst einmal logisch zu sein scheint, dass Neofolk und Industrial nahezu gegensätzliche Musikrichtungen sind, wenn auch beide im Gothic Genre beheimatet, und deshalb so gar nicht zusammenpassen, beweisen uns Rome, wie nah Neofolk, bzw. Apocalyptic Folk und Industrial  doch beieinander liegen.
Clubhits und Dancefloor Filler findet man auf diesem kopflastigen Album eher nicht. Düster bedrohliche Intros und apokalyptische Neofolk Perlen, sowie schleppende Industrial Stücke, die meilenweit vom 130 BPM Elektrogeschrammel der üblichen Verdächtigen entfernt sind, machen "Masse Mensch Material" zu einem Hörgenuss für Kopf und Seele. 
Rome klingen weder morbid, noch krankhaft depressiv. Sie bieten keine musikalischen Elektrobretter und keine technolastigen Tanzbeats. Rome musizieren erstaunlich zugänglich und bestücken ihr Album lieber mit hymnenhaften Songs und Sounds, die Musik aus dem Goth Bereich wieder einen künstlerischen Anspruch verleihen, den viele aktuelle Produktionen aus diesem Genre leider vermissen lassen.
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von Joachim Naumann - veröffentlicht in: Dark Music
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Friday, 25. april 2008 5 25 /04 /Apr. /2008 00:44
Nine Inch Nails - Ghosts I-IV


Überaschung ! 
Es ist noch gar nicht so lange her, da bekamen wir mit "Year Zero" ein Nine Inch Nails Album, das vergleichsweise zum (im Grunde sehr guten, aber von "Fragile" weit entfernten)  Vorgänger wieder richtig "knallte". Gerade einmal ein Jahr später, wird nun mit "Ghosts I - IV" gleich ein weiteres, geniales Stück Musik veröffentlicht, wobei die Bezeichnung "Stück", den Nagel auf den Kopf trifft.
"Ghosts" ist nicht nur der aktuelle Soundtrack für diesen Blog, das Album ist auch das Ergebnis einer zweiwöchigen Jam Session der aktuellen "Nine Inch Nails" Besetzung. Es gab keine Noten, keine Regeln und keine vorgefertigten Schemata, es gab nur die Instrumente und die Intuition, dieses Projekt zu starten, das am Ende wieder ein mal beweist, das "Nine Inch Nails" Initiator Trent Reznor ein musikalischer Gott ist.
Anstelle der üblichen Songtitel wurden die Stücke schlicht durchnummeriert. Das komplette Werk ist eine Symbiose aus ruhigen Momenten, Industrialrock wie wir ihn von "NIN" kennen und lieben, sowie ein wenig (aber deutlich weniger als befürchtet) experimenteller Lärm, an der Grenze zur akustischen Kunst. Das ganze als reines Instrumentalwerk, das man bestenfalls komplett genießt.
Einige der Stücke besitzen sicher auch als Einzelwerke so etwas wie "Hitpotential", der größte Teil der "Ghosts" entfaltet seine Wirkung jedoch im Ganzen. Zwar ist "Ghosts"  kein "richtiges" "NIN" Album geworden , das Werk jedoch als Filler zu bezeichnen, wäre eine echte Beleidigung, denn es ist zu gut geworden, um nur als Wartezeitverkürzer auf das nächste "richtige" "Nine Inch Nails" Album bezeichnet oder angesehen/angehört zu werden. Zumal aus Mr. Renznor ja anscheinend ein echtes Arbeitstier wurde und die durchschnittliche Wartezeit zwischen zwei "NIN" Werken von ehemals sechs Jahren auf überschaubare zwölf Monate gesunken ist. 
"Ghosts I-IV" ist Industrialrock in künstlerisch anspruchsvoller Form und musikalisch bester  Inch Tradition. Kein neues "Downward Spiral", kein neues "Fragile", aber das hat bei diesem Album ja auch keiner erwartet, sowie das Album als solches von niemandem erwartet wurde.
 
Ein Wort noch zum Thema "neue Vertriebswege": auf der "Nine Inch Nails" Homepage kann man, für nix, die Stücke " I Ghost 1-9" herunterladen, für 5 US Dollar das komplette Werk, sowie verschiedene physische Tonträger von "Ghosts"  erstehen (die jeweils einen kompletten Download beinhalten). Leider sind die Portokosten sehr hoch. Die DoppelCD und die Vinylversion stehen seit letzter Woche in den Läden, bei iTunes gibt es  das  Album übrigens nicht.
von Joachim Naumann - veröffentlicht in: Dark Music
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